Eure Geschichte

Damit hier etwas entstehen kann, brauche ich Ihre Hilfe. Senden Sie mir Geschichten aus Ihrem Arbeitsleben zu. Spanndendes, Kurioses, Lustiges, Trauriges ... egal. An dieser Stelle ist Platz dafür. Schicken Sie mir eine Mail und bald finden alle Ihre Kollegen und Freunde aus der Branche Ihre Geschichte auf dieser Website.

Stephanie Völzow hat den Anfang gemacht:

Als Beitrag zur Rubrik "Eure Geschichte" übersende ich Dir hiermit kostenlos ein von mir eigenhändig verfasstes Gedicht über die Schwierigkeiten des Texterdaseins - "it's a gift, but not a blessing". Also hier, mit Gruß von Steffi:

Blutwurstrot hängt der Mond am Himmel.
Im Bettkasten tobt der Gedankenbär.
Auf allen Träumen Ideenschimmel.
Nachts nichts zu texten ist schwer.

Pivo? Klar, her damit! Aber was zum Teufel ist "Srasdsvidije"??

 

Ein Erfahrungsbericht über das Arbeiten im Ausland.


Die Globalisierung hat ja (selbst in Zeiten der Krise) so ihre Vorteile. Die Anzahl der möglichen Arbeitsplätze steigt dadurch. Auch in der Werbebranche hat man das Glück, weltweit seiner Tätigkeit nachgehen zu können. Meist kommt man mit Englisch durch, ob als Arter oder Berater. Nur als Texter ist es von Vorteil, auf nationalen Etats die jeweilige Landessprache zu können.

 

Aber sind wir mal ehrlich - für den Rest von uns läuft es überall gleich:
Ein Kundebriefing ist auch dort a) nie vollständig oder b) zu voll gepackt. Die Beratung setzt die Deadlines für die Kreation grundsätzlich 2 Tage früher, die Kreativen drehen 5 Runden und der Kunde entscheidet sich am Ende für das allererste Konzept.

 

Lassen wir jetzt unbefristete Arbeitsverträge außer Acht, bei denen man in einem Land nicht nur Arbeiten, sondern auch LEBEN will. Dann muss man zwangsweise die Landessprache beherrschen - alles andere wäre unhöflich und zudem masochistisch.

 

Bei zeitlich befristeten Jobs jedoch hat man meist andere Aufgaben, als sich z.B. in ‘Griechisch für Fortgeschrittene' zu üben. Aber selbst hier hat man mal Feierabend und Zeit zu (er)leben.


Aber Achtung! Ein Land kann noch so nah dem unseren liegen, es gilt: Andere Länder, andere Sitten! Und diese sind manchmal schwer zu verstehen. Wenn man im Einheimischen-Lokal (man ist ja dennoch im Ausland, um auch Land und Leute zu sehen) wieder nur eine Speisekarte in der dortigen Muttersprache bekommt, die Kellner keine gängige Umgangssprache, wie z.B. Englisch können und man daher auf gut Glück auswählt, kann das ja mal ganz unterhaltsam werden. Wenn man allerdings 5x die Woche bangen muss, was das Mittags-(Überraschungs-)Menü heute birgt, kann es anstrengend werden. Denn nicht nur Sitten, sondern auch Essgewohnheiten können innerhalb unseres Heimatkontinentes stark abweichen - Scorville 7, Knoblauch pur, in Öl ertränkt oder in Essig ersäuft - nicht nur wir lernen, sondern auch unsere Geschmacksnerven!

 

Zurück in der schützenden Agentur. Die einheimische Beratung ist krank, man muss die Reinzeichnung Korrektur lesen. Man kommt sich wie ein Erstklässler vor: Buchstabe für Buchstabe wird verglichen. Ob es Sinn macht, was da steht? Das müssen die Kollegen wissen. Vertrauen ist (leider) das A und O!

Man gewöhnt sich daran, dass Kollegen in ihren E-Mails (auch teilweise mit Kunden) nicht auf Englisch kommunizieren, auch wenn man CC steht. Das ist keine böse Absicht, sondern einfach nur leichter - für die Anderen. Auch wenn sie tratschen und der eigene Name fällt (und den hört man immer raus), dann haben sie sicherlich „nur Nettes" gesagt. Und wenn man mit dem Taxi wieder 3x im Kreis fährt und doppelt soviel bezahlt wie letztes Mal, liegt es nicht daran, dass man nicht von dort kommt. Nein, nein. Man denkt sich nur noch "das haben die doch mit Absicht gemacht" und "gut, ist es ein befristeter Vertrag."

 

Zurück in Deutschland stellt man fest, dass auch in Berlin oder München Straßenschilder und Hausnummern nicht touristenfreundlich sind. Die wichtigen U-Bahn-Durchsagen oder -Stationen nicht auf Englisch erhallen und international verständliche Speisekarten eine Rarität sind. Aber es weiß ja auch jeder, was Rahmschwammerl sind oder Grünkohl mit Pinkel. Oder etwa nicht?
Ob mein Hausarzt genug Englisch könnte, mir zu erklären, was ich genau habe? Oder mein Frisör mich nicht entstellen würde, wenn ich mit Händen und Füßen den gewünschten Haarschnitt demonstriere? Es bleibt zu bezweifeln.

 

Zweifelsohne jedoch kommt man zurück und zuhause ist alles beim Alten: keine Skandale, keine nennenswerten News. Man freut sich, dass der Metzger weiß, was man haben möchte, man selbst, was beim Mittag auf dem Teller liegt, die Buchhaltung sofort, warum man diese Quittung einreicht und die Kreativen wissen, dass die deutsche Gründlichkeit keine reine Schikane ist, sondern ein Qualitätsmerkmal.

 

Nach ein paar Wochen beim Alten fragt man sich jedoch, was wohl die Kollegen im Ausland gerade machen? War nicht mittwochs immer Teamabend in der Eckkneipe mit gratis Hausschnaps in lustigen 0,5 cl Gläschen?

Und war es nicht diese entspannte, langsame Art, die einen erst nervte, dann aber geruhsam werden ließ? Der heilige, frühe Feierabend, bei dem man anfangs nicht wusste, was mit seiner Zeit anfangen, welcher dann aber ungeahntes Privatleben eröffnete? Und dieses falsche, aber herzliche Englisch, das immer noch besser war als die eigenen linguistischen Fehltritte beim "Guten Morgen" in dortiger Sprache stammeln. Das einen daran erinnerte, dass Perfektion wichtig ist, aber Offenheit und Lebenserfahrung wichtiger.

Hhmm, vielleicht hätte man länger bleiben sollen?!

 

Julia Boeker - Sen. Beratung (Aimaq Rapp Stolle)